Bürgschaftsmarkt in Deutschland und in den USA im Vergleich: zentrale Unterschiede, die Sie kennen sollten

Bürgschaftsmarkt in Deutschland und in den USA im Vergleich: zentrale Unterschiede, die Sie kennen sollten

Deutschland ist wahrlich kein Neuling auf dem Bürgschafts- und Garantiemarkt. Seit Jahrhunderten vertrauen Unternehmen bei der Durchsetzung von Verträgen zwischen Vertragsparteien auf Drittanbieter. Heutzutage beläuft sich der Kautionsversicherungsmarkt in Deutschland auf ca. EUR 650m. Selbstverständlich wissen deutsche Unternehmen ganz genau, wie Bürgschaften in Deutschland funktionieren, aber wie sieht es bei US-amerikanischen Unternehmen aus, die in Deutschland geschäftlich tätig sind? Oder bei deutschen Unternehmen, die außerhalb von Deutschland Geschäfte machen? Was müssen diese Unternehmen wissen, um auf diesen Märkten erfolgreich zu sein?

Im Folgenden werden einige der zentralen Unterschiede zwischen Bürgschaften in Deutschland und den USA erläutert, sodass Unternehmen besser vorbereitet sind und wissen, was sie erwartet, wenn sie in einem dieser Märkte eintreten.

Die Rolle der Banken

Der vielleicht größte Unterschied zwischen den Garantiemärkten in Deutschland und den USA ist die Rolle, die Banken in diesem Bereich spielen. Während sich einige Unternehmen in den USA für ein privat finanziertes Bauprojekt möglicherweise für ein Letter of Credit von einer Bank entscheiden, spielen Banken bei öffentlichen Bauprojekten praktisch keine Rolle, da das US-Gesetz für öffentliche Projekte Bürgschaften verlangt und Letter of Credit nicht akzeptiert werden.

In Deutschland haben Banken jedoch einen Anteil von mindestens 70 % am Bürgschaftsmarkt. Sie stehen beim Vertrieb von Garantien im Wettbewerb mit Versicherungsunternehmen. Und die Tatsache, dass Kautionsversicherer häufig mit Banken zusammenarbeiten müssen, um in Regionen, in denen Bürgschaften von Kautionsversicherern nicht akzeptiert werden oder in denen ein zugrundeliegender Vertrag die Ausgabe einer Bankbürgschaft zwingend verlangt, verkompliziert die Sachlage besonders. Anschaulich wird dies, wenn ein Unternehmen mehr Garantierahmen benötigt, als eine Bank willens oder in der Lage ist bereitzustellen. Die Bank schließt sich in diesem Fall mit Kautionsversicherern zusammen, um das Bürgschaftsprogramm auf einen so genannten Club Deal bzw. auf einen syndizierten Avalkredit zu erweitern.

Tipp: Die Versicherungsbürgschaft ist in ihrer Werthaltigkeit vergleichbar mit der Bankbürgschaft, jedoch unterscheidet sich die Herangehensweise in der Risikobewertung in den Perspektiven und Tiefe. Sie sollten nicht erwarten, dass Ihre Bürgschaft, wie dies bei Banken möglich ist, mit einem einfachen Telefonanruf innerhalb einer Stunde verfügbar ist. Underwriter werden dafür bezahlt, die Finanzlage eines Unternehmens gründlich zu analysieren, um so sicherzustellen, dass das Unternehmen oder Projekt ein gutes Risiko darstellt. Dies gilt insbesondere für die USA, in denen Bürgschaften mit Eintrittsrechten verknüpft ist und die Bewertung im Interesse des Kunden aus einer 360°-Risikomanagement-Perspektive erfolgt. Dies nimmt einige Zeit in Anspruch!

Gesetze und behördliche Regulierungen

Der Miller Act (Miller-Gesetz) wurde in den USA im Jahr 1935 eingeführt und setzt bei Bundesbauprojekten die Vorlage von vertraglichen Bürgschaften voraus. Der Miller Act schreibt vor, dass alle Vertragspartner, die sich an einer Ausschreibung für ein Bundesprojekt beteiligen, eine Vertragserfüllungsbürgschaft und eine Zahlungsbürgschaft vorlegen müssen, die sich auf die gesamte Arbeitsleistung und das Material erstrecken. Damit sind Bürgschaften bei öffentlichen Bauprojekten gesetzlich vorgeschrieben.

In Deutschland geht weitestgehend aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch hervor, wie Bürgschaften für definiert sind. So sind beispielsweise nur Banken berechtigt, gemäß des zugrundeliegenden Gesetzes, Prozessbürgschaften auszugeben. Die Gesetze müssten geändert werden, damit auch Kautionsversicherer diese Art Bürgschaften ausgeben dürften.

Vertrieb und Käufer

In den USA werden Bürgschaften und Garantien vornehmlich durch Agenten und Maklern vertrieben. In den meisten Fällen beschäftigen sich diese neben Bürgschaften auch mit dem Bereich „Sach- und Haftpflichtversicherungen“.

In Deutschland sind die Finanzdirektorinnen und -direktoren und die Leiter/innen der Finanzabteilung in Unternehmen für die Themen rund um die Bürgschaften und Garantien zuständig. Aus gutem Grund, denn diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befinden sich tagtäglich mit Banken im Austausch, und wie weiter oben bereits erwähnt, werden mindestens 70 % der Garantien von Banken und nicht von Kautionsversicherern bereitgestellt.

Preise

Die Preise werden in den USA zwar durch das Department of Insurance (das Versicherungsministerium) reguliert, aber bei der Festsetzung von Preisen für Bürgschaften kommen zahlreiche Variablen ins Spiel. Es gibt häufig Möglichkeiten, bei bestimmtem Projekten je nach Bundesstaat, Produktlinie oder sogar Ausfallwahrscheinlichkeit Rabatte einzuräumen. Maßgeblich dafür ist häufig die Kreditwürdigkeit des Kunden.

In Deutschland orientieren sich die Preise vornehmlich an der Kreditwürdigkeit des Kunden und weniger an dem Risikogehalt des Projektes selbst, außer es ergibt sich eine Einzelbürgschaftsmöglichkeit bei einem bestimmten Projekt, wobei sich das Risiko dann weniger diversifiziert und sehr konzentriert auf ein Einzelprojekt ist.

Die Rolle – bzw. die geringe Rolle – der Kreditversicherung

Es ist wichtig zu erwähnen, dass eine Kreditversicherung NICHT mit einer Bürgschaft gleichgesetzt werden darf. Viele Finanzdirektorinnen und -direktoren verwenden diese Begriffe synonym, aber es handelt sich in Wahrheit um sehr unterschiedliche Produkte. Bei der Kreditversicherung geht es hauptsächlich um die Warenkreditversicherung, die sich auf die Absicherung von Lieferantenkrediten beschränkt. Bei einer Bürgschaft gestaltet sich die gesamte Vertragskonstellation andersherum. Es geht um die Garantie, dass ein Vertrag zwischen zwei Parteien tatsächlich ordnungsgemäß und ohne einen finanziellen Ausfall durch Insolvenz erfüllt wird.

Der Grund, warum diese beiden Begriffe so häufig synonym verwendet werden, ist möglicherweise die Art und Weise wie sich Versicherungs- und auch Maklergesellschaften organisieren und alles aus einer Hand anbieten, d.h. Kreditversicherungen, Bürgschaften und Policen zur Absicherung von politischen Risiken. Die Kreditversicherung hat in den USA nicht wirklich Fuß gefasst. Ein Grund könnte sein, dass die Verantwortlichkeiten auf die Versicherungs- und Finanzabteilungen verteilt werden. Die Unternehmen arrangieren sich aktiv mit dem Risikomanagement.

Das Verständnis der Unterschiede zwischen Märkten ist von zentraler Bedeutung, um sicherzustellen, dass Ihre Bürgschafts- und Garantieprogramme erfolgreich sind. Unabhängig davon, wo Sie geschäftlich tätig sind, ist es unerlässlich, dass Ihr Kautionsversicherer nicht nur den lokalen Markt kennt, sondern die globale Stärke und die Möglichkeiten besitzt, Ihr Bürgschaftsprogramm über Ländergrenzen hinweg auszubauen.

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